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Late-Talker

Welche Kinder bezeichnet man als Late-Talker?

Kinder, die das 2. Lebensjahr vollendet haben und:

  • weniger als 50 Wörter eigenständig sprechen
    Zum frühen Wortschatz werden auch Wörter wie „nein, hallo, auch…“ gezählt, ebenso Lautmalereien wie „wauwau, brumbrum…“, aber auch Namen; zunehmend umfasst der Wortschatz aber auch Gegenstands- , Tätigkeits- und Eigenschaftswörter.
  • noch keine Zweiwortsätze bilden
    Zu den frühen Zweiwortsätzen oder Zweiwortkombinationen gehören z.B. „Auto da, Papa weg, Mama auch, Milch trinken“; nicht dazu zählen fest gefügte Ausdrücke wie „noch mal“ oder Aussagen, die ein Anrede beinhalten „Mama! Komm!”
Was sind Klassische Late-Talker?

Es sind Kinder, die sich, abgesehen von der Sprachauffälligkeit, unauffällig entwickeln.

Die Kinder haben:

  • keine neurologische Erkrankung
  • keine Hörstörung
  • keine Beeinträchtigung der Sprechorgane (z.B. Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten)
  • keine allgemeine Entwicklungsverzögerung (motorisch, kognitiv)
  • keine tief greifende Kommunikationsstörung (Autismus)
Was sind Kinder im Late-Talker-Stadium?

Dies sind Kinder, die ebenfalls noch keine 50 Wörter und/oder keine Zweiwortkombinationen produzieren, mindestens 2 Jahre, häufig aber schon älter sind. Neben der Sprachauffälligkeit weisen diese Kinder aber noch zusätzliche Beeinträchtigungen auf. So werden sie nicht als Klassische Late-Talkers bezeichnet. Vielmehr sind es Kinder im Late-Talker-Stadium.

Was sind Late-Bloomers, also “Spätblüher”?

Damit werden Kinder bezeichnet, die bis zum Alter von 24 Monaten tatsächlich die oben genannten Merkmale der verzögerten Sprachentwicklung zeigen, also weniger als 50 Wörter und keine Zweiwortkombinationen sprechen. Zwischen 2.0 und 3.0 Jahren holen diese Kinder die Sprachverzögerung wieder auf. Der Anteil der Late-Bloomer an sprachauffälligen 2.0jährigen Kindern liegt bei etwa 50-85% – diese Zahlen sind in der Forschung umstritten.

Wie stelle ich fest, ob mein Kind ein Late-Talker oder ein Late-Bloomer ist?

Zum gegebenen Zeitpunkt, also etwa mit Vollendung des 2. Lebensjahres (2.0 Jahre) lässt sich dies leider nicht vorhersagen. Daher wird das folgende Prozedere vorgeschlagen:

Zunächst erfüllt Ihr Kind die oben genannten Kriterien:

  • weniger als 50 Wörter und
  • keine Zweiwortsätze

Wir stellen Ihnen dazu gerne den Frage- und Beobachtungsbogen kostenlos zur Verfügung!

Neben Ihren wichtigen Beobachtungen aus dem Alltag ist zusätzlich die Untersuchung durch eine Logopädin erforderlich. Ihre Aufgabe ist:

  • das Notieren Ihrer Beobachtungen über die Sprache, das Sprachverstehen, das Spiel- und Kommunikationsverhalten Ihres Kindes
  • die Durchführung von standardisierten und/oder bewährten Testverfahren
  • das Zusammenfassen und Einschätzen der aktuellen Sprachentwicklung
  • im Gespräch mit Ihnen das weitere Vorgehen abzusprechen; dies kann in der Vereinbarung regelmäßiger Kontrolltermine oder aber auch in der Aufnahme logopädischer Therapie bestehen.

Die Therapeutin wird dies in Rücksprache mit dem Kinderarzt auf der Grundlage ihres Wissens und ihrer Erfahrung entscheiden.

Was passiert bei den Kontrollterminen?

Ziele der Termine sind:

  • die sorgfältige Dokumentation der sprachlichen Weiterentwicklung Ihres Kindes: Spricht Ihr Kind neue Wörter? Welche? Bildet es Zweiwortkombinationen? Welche Laute bildet es? Ahmt es nach? Wie reagiert Ihr Kind auf Sprache?
  • mit Ihnen die Erwartungen für die kommenden Wochen abzustecken
  • der Austausch über die Sprachentwicklung
  • fördernde, ermutigende Ideen für den häuslichen Alltag
  • gegebenenfalls die Entscheidung zu treffen, nun doch logopädische Therapie aufzunehmen
Warum soll mein Kind so früh Therapie bekommen?

Es ist inzwischen nachgewiesen, dass ein großer Teil der Late-Talkers später spezifische Sprachentwicklungsstörungen (Aussprachestörungen, Wortschatzprobleme und/oder einen Dysgrammatismus) aufweisen; diese gehen später mit Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb (Lesen/Schreiben/Lesesinnverstehen) einher.

Frühzeitige Therapieaufnahme kann diese Entwicklung unter Umständen nicht verhindern, aber das Ausmaß einer Sprachstörung erheblich einschränken. Es ist nachgewiesen, dass unser Gehirn in bestimmten Altersphasen besonders empfänglich für den Erwerb spezifischer Strukturen ist. Sind diese Phasen verstrichen, ist der Erwerb weiterhin zwar noch möglich, dann aber nur noch sehr erschwert und er benötigt demnach mehr Zeit.

Daher ist es nötig, die Notwendigkeit einer frühen Intervention zu erkennen, aber auch nicht unnötig früh eine Auffälligkeit zu behandeln, die sich von selbst auswächst.

Abwarten ist nicht unbedingt die richtige Wahl!

Was passiert in der Therapie?

Aufgabe der Therapeutin ist es:

  • das Kind zu befähigen, selbst die Wörter aus der Umgebungssprache zu erwerben (Auslösen des Wortschatzspurtes)
  • dem Kind gezielt und häufig bestimmte Wörter anzubieten (Inputspezifizierung)
  • das Kind zu befähigen, selbst die Wörter aus der Umgebungssprache zu erwerben (Auslösen des Wortschatzspurtes)
  • sich an dem Aufbau des normalen kindlichen Wortschatzes zu orientieren (entwicklungsproximales Vorgehen)

Bei Late-Talkern wird davon ausgegangen, dass sie sich aus der Umgebungssprache nicht das Nötige herausziehen, um den frühen Wortschatz zu erwerben. Die Therapie soll diesen Mechanismus auslösen.

Die Therapeutin wird gemäß dem Kind entscheiden, ob sie bestimmte Worte interaktiv (in gemeinsamen Handlungen, Spielen) oder aber als reinen Input (durch Vorlesen oder Vorspielen einer Geschichte) anbietet. Zwischen diesen Sequenzen erfolgen spielerische Pausen.

Dies ist das Vorgehen bei klassischen Late-Talkern; das Vorgehen bei Kindern im Late-Talker-Stadium orientiert sich daran. Die zusätzlichen Beeinträchtigungen müssen unter Umständen in die Therapie einbezogen werden.

Wie lange dauert die Therapie?

In Anlehnung an die Verordnungsvorgaben umfasst eine Therapiesequenz in der Regel zunächst einmal 10 Therapieeinheiten. Diese können nach Vereinbarung einmal oder zweimal in der Woche stattfinden.

Nach der Therapiesequenz werden Sie im Gespräch mit der Therapeutin und in Absprache mit dem Kinderarzt überlegen, ob die Fortführung sofort oder nach einer mehrwöchigen Pause erfolgt oder ob zunächst Kontrolltermine zur Entwicklungsbeobachtung nötig sind.

Ebenso wenig, wie eine sichere Einordnung Ihres Kindes mit 2 Jahren in die Gruppe der Late-Talker oder der Late-Bloomer exakt vorhergesagt werden kann, können wir dies für die Therapiezeit tun.

Hier noch einige interessante Weblinks für Sie zu diesem Thema:

www.latetalker.de

www.bildungsserver.de

www.mutterspracherwerb.de